Benveduto – Benandato – Benseduto


Palermo 2009

„… Dass dieses Meer, diese Verbindung – denn das Meer ist eine Verbindung –, zu etwas Trennendem wird, ist ein Frevel gegen das Meer. Es erscheint mir wie eine Gotteslästerung.

Meines Erachtens liegt eine enorme Gefahr in der Art und Weise, wie die Staaten das Problem der Migration angehen. Das Abschotten der Grenzen auf See wie an Land soll dafür sorgen, sie unüberwindbar zu machen. Auf See bedeutet eine unüberwindbare Grenze in neunzig Prozent der Fälle den Tod desjenigen, der sie zu überwinden versucht. Wenn ich von den vielen Toten im Mittelmeer höre, muss ich an einen Satz von Aischylos denken: Die Leichen treiben in brandender See. Dabei klingt treiben fast harmlos für die Brutalität dieses Bildes. Heute ist das Meer förmlich mit Leichen übersät. Aber wie groß ist das Bewusstsein all dessen? Was fehlt, ist Mitleid, Verständnis für die anderen. Und das wäre am allernötigsten.“

Andrea Camilleri in einem Interview 2007