Installation und Gestaltung eines Gästezimmers im Grandhotel Cosmopolis, Augsburg, Juli 2013
Sorgfältig prüf ich
meinen Plan, er ist
groß genug, er ist
unverwirklichbar.
Treffender als in dem Vierzeiler von Bertolt Brecht lässt sich mein erster Eindruck Anfang 2012 von der „Sozialen Skulptur GrandHotel“ nicht ausdrücken. Ich traf auf ungewöhnlich offene, freundliche Menschen, die sich aus den unterschiedlichsten Motiven in einem hochkomplexen Vorhaben bedingungslos engagierten und die dabei auftauchenden Probleme, die mir zum Teil unlösbar schienen, als Treibstoff ihrer Kreativität nutzten. Ich erlebte die Baustelle GrandHotel als soziale Skulptur, war fasziniert und überzeugt von dem Plan, die konkrete Utopie einer grenzenlosen, kosmopolitischen Alltagskultur zu verwirklichen, in der sich Flüchtlinge, Reisende, Gäste, Künstler und Nachbarn begegnen und willkommen fühlen.
Dass das Stadtbauamt in Augsburg den Plan „sorgfältig prüfte“ war nicht erstaunlich, sehr wohl aber, dass es ihn im Brechtschen Sinne als „groß genug“ akzeptierte. Das Erstaunliche machte der Leiter des Amtes bei der Übergabe der Genehmigung zur Umnutzung des ehemaligen Altenheims deutlich, als er sich dafür bedankte, dass das Vorhaben, das er zunächst für utopisch, also gänzlich unmöglich gehalten hatte, möglich wurde, weil sich in der Auseinandersetzung um die Genehmigung Spielräume in den Vorschriften auftaten, die mit der Zeit von den Gewohnheiten in solchen Verfahren verschüttet worden waren. Die Offenheit mit der der Beamte von einem Gewinn für sich und seine Behörde sprach, berührte mich und bestätigte die Stimmigkeit des Ausgangspunktes meiner Installation „Innen/Außen“ in einem der Gästezimmer im 5. Stock des GrandHotels: dort geht ein Mann durch die Wand, verlässt einen scheinbar eindeutig definierten Bereich, wagt sich ins Unbekannte, überschreitet eine Grenze, hinter der sich ein Abgrund oder ein freier, offener Raum auftun kann. Immer ist da ein Risiko. Wände schützen und beengen zugleich. Im Ab-grund ist der Grund aufgehoben, im Un-bekannten liegt das Bekannte. Es gibt keine Grenzen, es gibt nur Passagen, Übergänge zwischen dem Innen und dem Außen. In der Zukunft liegt die Vergangenheit der Gegenwart.
Wer sich Europa als „Festung“ wünscht, der ist im Gestern eingemauert, der hat sich im Denken und Fühlen eingegrenzt und den Weg zu sich selber und in die Gegenwart nicht angetreten. Die Installation ist dem Mut des Reisenden gewidmet, Gewohnheiten in Frage zu stellen und sich auf das Fremde einzulassen. „Fremd“, sagt Karl Valentin, „ist der Fremde nur in der Fremde.“








